Mazak Festzyklen: Bohren, Gewindebohren, Ausdrehen und Drehen
Mazak EIA/ISO-Festzyklen: Satzaufbau, Adressen, Bohr-, Gewinde- und Ausdrehzyklen, Lochbilder sowie Drehzyklen auf Integrex-Maschinen.
Mazak-Festzyklen führen Positionieren, Bohren, Gewindebohren oder Ausdrehen mit einem einzigen Satz aus. Die G-Nummern entsprechen für die gängigen Fälle (G81, G83, G84) der üblichen ISO-Belegung. Die Ausdrehzyklen G75 bis G79 und mehrere Adressen arbeiten jedoch anders als auf anderen Steuerungen. Programme von einer anderen Maschine sollten deshalb Zyklus für Zyklus geprüft werden.
Satzaufbau
G□□ X_ Y_ Z_ Q_ R_ P_ D_ K_ I_ J_(B_) E_ H_ F_ L_Der Satz besteht aus vier Teilen: Zykluscode, Bohrposition (X, Y), Bearbeitungsdaten und Wiederholanzahl L. Bohrposition und L gelten nur im aktuellen Satz. Die Bearbeitungsdaten sind modal und bleiben für die folgenden Bohrpositionen aktiv, bis der Zyklus abgewählt wird.
| Adresse | Bedeutung |
|---|---|
| X, Y | Bohrposition |
| Z | Bohrungsgrund (G90) oder Abstand R-Punkt bis Bohrungsgrund (G91) |
| R | R-Punkt (G90) oder Abstand Startpunkt bis R-Punkt (G91) |
| Q | Je nach Zyklus: Zustelltiefe, Versatzbetrag oder ein Abstand |
| P | Verweilzeit am Bohrungsgrund, in Sekunden oder Spindelumdrehungen. Bei G71.1/G72.1 die Überlappungslänge |
| D, K | Abstände, Bedeutung je nach Zyklus |
| I | Strecke vor dem Bohrungsgrund mit reduziertem Vorschub (G73, G82, G83) oder Tieflochmodus beim synchronen Gewindebohren |
| J oder B | Zeitpunkt von Verweilzeit und Spindelausgabe (Gewindebohren, Ausdrehen) oder Vorschubfaktor in % für den reduzierten Vorschub (Bohren) |
| E | Zweiter Schnittvorschub (G77, G79, G85) |
| H | Synchrones oder asynchrones Gewindebohren, dazu Override der Rückzugsgeschwindigkeit |
| F | Schnittvorschub |
| L | Anzahl Wiederholungen |
Ob die Zyklen Adresse J oder Adresse B lesen, legt Bit 1 von Parameter F84 fest (1 = J, 0 = B). Ist J gewählt, wird ein B-Wort im Satz als B-Achsbefehl behandelt und der Spindelkopf schwenkt. Diesen Parameter vor dem Abarbeiten eines Zyklusprogramms von einer anderen Maschine prüfen.
Der Startpunkt ist die Z-Position beim Aufruf des Zyklus. G98 fährt das Werkzeug nach jeder Bohrung auf diese Ebene zurück, G99 auf die R-Ebene. Beide sind modal, G98 ist nach dem Einschalten aktiv.
Bei inkrementellen Bohrpositionen wiederholt L den Zyklus im gleichen Abstand. Bei absoluten Positionen wiederholt L ihn an derselben Stelle. L0 speichert die Bearbeitungsdaten, ohne zu bohren. Ein Zyklussatz ganz ohne Bohrposition speichert die Daten ebenfalls nur.
G80 hebt den Zyklusmodus auf, ebenso jeder Code der Gruppe 01 (G00, G01, G02, G03, G02.1, G03.1). M00 oder M01 im Zyklusmodus hält das Programm nach dem Positionieren an und unterdrückt den Zyklus für diesen Satz.
Übersicht
| Code | Zyklus | Format |
|---|---|---|
| G71.1 | Fasenfräser im Uhrzeigersinn | G71.1 X Y R Z Q F [P D] |
| G72.1 | Fasenfräser gegen den Uhrzeigersinn | G72.1 X Y R Z Q F [P D] |
| G73 | Hochgeschwindigkeits-Tieflochbohren | G73 X Y R Z Q F [P D K I J] |
| G74 | Linksgewindebohren | G74 X Y R Z F [P Q I J D H K] |
| G75 | Ausdrehen 1 | G75 X Y R Z F [P Q D J K I] |
| G76 | Ausdrehen 2 | G76 X Y R Z F [P Q D J] |
| G77 | Rückwärtsplansenken | G77 X Y R Z F [P Q E J D] |
| G78 | Ausdrehen 3 | G78 X Y R Z F [P D K Q] |
| G79 | Ausdrehen 4 | G79 X Y R Z F [P D K Q E] |
| G81 | Anbohren | G81 X Y R Z F |
| G82 | Bohren mit Verweilzeit | G82 X Y R Z F [P D I J] |
| G82.2 | Automatisches Spanbrechen (Option) | G82.2 X Y R Z Q F [D K P I H] |
| G83 | Tieflochbohren | G83 X Y R Z Q F [D K I J] |
| G84 | Gewindebohren | G84 X Y R Z F [P Q I J D H K] |
| G84.2 | Synchrones Gewindebohren | G84.2 X Y R Z F [P Q I] |
| G84.3 | Synchrones Linksgewindebohren | G84.3 X Y R Z F [P Q I] |
| G85 | Reiben | G85 X Y R Z F [P E D] |
| G86 | Ausdrehen 5 | G86 X Y R Z F [P] |
| G87 | Rückwärtsausdrehen | G87 X Y R Z F [P Q D J] |
| G88 | Ausdrehen 6 | G88 X Y R Z F [P] |
| G89 | Ausdrehen 7 | G89 X Y R Z F [P] |
Adressen in Klammern können entfallen. X und Y können ebenfalls entfallen, wenn das Werkzeug bereits über der Bohrung steht.
Bohrzyklen
G81 bohrt im Vorschub auf Z und fährt im Eilgang zurück. Der Zyklus hat weder Verweilzeit noch Spanbrechen.
G82 ergänzt eine Verweilzeit P am Bohrungsgrund. D verschiebt den Beginn des Schnittvorschubs unter den R-Punkt.
G73 bohrt in Zustellungen der Tiefe Q und fährt nach jeder Zustellung um den Betrag D zurück, um den Span zu brechen. Ohne D oder mit D0 kommt der Rückzugsbetrag aus Parameter F12. K legt den Abstand vom R-Punkt bis zum Beginn des Schnittvorschubs fest.
G83 fährt nach jeder Zustellung der Tiefe Q auf den R-Punkt zurück. Danach fährt das Werkzeug im Eilgang bis auf einen Sicherheitsabstand D über die vorherige Tiefe. Ohne D kommt der Sicherheitsabstand aus Parameter F13. Q0 in G73 oder G83 löst Alarm 809 aus.
G73, G82 und G83 können den Vorschub vor dem Bohrungsgrund reduzieren, etwa beim Durchbruch. Liegt der Beginn einer Zustellung innerhalb der Strecke I vor dem Grund, schneidet die Steuerung mit F × J / 100. Fehlt I oder J, bleibt der Vorschub unverändert.
G82.2 ist ein optionaler Spanbrechzyklus, bei dem Q einen Schwellwert festlegt. D und K haben dieselbe Bedeutung wie bei G83.
G90 G54 G00 X0 Y0
G43 H5 Z50.
S1800 M03
G98 G83 X20. Y0 R2. Z-32. Q5. F160 I4. J50
X-20.
G80Die letzten 4 mm jeder Bohrung laufen mit 50 % Vorschub (80 mm/min).
Gewindebohrzyklen
G84 bohrt Rechtsgewinde, G74 Linksgewinde. P ist immer eine Verweilzeit in Sekunden. J (oder B) bestimmt, wann die Spindel umsteuert:
| J | G84 | G74 |
|---|---|---|
| 1 | M04 nach der Verweilzeit am Bohrungsgrund | M03 nach der Verweilzeit am Bohrungsgrund |
| 2 | M04 vor der Verweilzeit am Bohrungsgrund | M03 vor der Verweilzeit am Bohrungsgrund |
| 4 | M03 nach der Verweilzeit am R-Punkt | M04 nach der Verweilzeit am R-Punkt |
Ohne J oder mit J0 verwendet die Steuerung den Wert 2.
H wählt das Verfahren. H0 führt einen asynchronen Zyklus aus. Ein Wert ab H1 führt einen synchronen Zyklus aus und setzt die Rückzugsgeschwindigkeit in Prozent des Schnittvorschubs. Ohne H arbeitet die Steuerung synchron, was auf Maschinen ohne Option für synchrones Gewindebohren zu Alarm 952 führt. Auf solchen Maschinen muss H0 ausdrücklich programmiert werden.
G84.2 und G84.3 bohren immer synchron. Ihr Override für die Rückzugsgeschwindigkeit kommt aus Parameter K90. Beim synchronen Gewindebohren ist F die Gewindesteigung.
Q teilt ein synchrones Gewinde in Zustellungen auf. I0 wählt den Tieflochzyklus, der nach jeder Zustellung auf den R-Punkt zurückfährt. I1 wählt den Hochgeschwindigkeits-Tieflochzyklus, der nur um den Betrag aus Parameter F10 abhebt. Bit 3 von Parameter F155 entscheidet, welche Variante ohne I läuft. Auf das asynchrone Gewindebohren haben Q und I keine Wirkung.
G90 G54 G00 X30. Y20.
G43 H8 Z50.
S600 M03
G99 G84.2 R5. Z-18. F1.5 (M10x1.5, synchron)
X60.
G80Ausdrehzyklen
Die Ausdrehzyklen unterscheiden sich vor allem darin, was am Bohrungsgrund geschieht und wie das Werkzeug die Bohrung verlässt. Die Richtung des Versatzes Q legen Bit 3 und 4 von Parameter I14 fest.
| Code | Ablauf |
|---|---|
| G75 | Verweilzeit, Orientierung (M19) und Versatz Q am Grund, dann Rückzug. Ein Abschnitt nahe dem Grund läuft mit 70 % von Vorschub und Drehzahl, positioniert über K und I relativ zum Punkt Z. Die Spindel läuft danach mit M03 an, mit J ungleich 0 mit M04 |
| G76 | Verweilzeit, Orientierung (M19) und Versatz Q am Grund, dann Rückzug ohne Berührung der Bohrungswand. Die Spindel läuft danach mit M03 an, mit J ungleich 0 mit M04 |
| G77 | Rückwärtsplansenken mit zwei Vorschüben F und E. J legt die Reihenfolge von M03 und M04 am Grund fest. Rückzug immer auf den Startpunkt. Ohne E läuft der Durchgang mit 0,5 mm/U |
| G78 | Verweilzeit und Orientierung (M19) am Grund, ohne Versatz. Q ist hier ein Abstand vom Punkt Z |
| G79 | Ausdrehen mit zwei Vorschüben F und E. Ohne E gilt durchgehend F |
| G85 | Reiben. Hinein mit F, heraus mit E. Ohne E heraus mit F |
| G86 | Ausdrehen mit Verweilzeit P am Grund |
| G87 | Rückwärtsausdrehen. Orientierung am Startpunkt, Versatz Q, Eilgang auf den R-Punkt unter dem Werkstück, Ausdrehen nach oben. J wählt M03 oder M04 am R-Punkt. Rückzug immer auf den Startpunkt, auch unter G99 |
| G88 | Verweilzeit, danach M05 und M00 am Grund. Der Bediener fährt das Werkzeug von Hand heraus |
| G89 | Ausdrehen mit Verweilzeit P am Grund |
Unter G91 bestimmen G77 und G87 die Bearbeitungsrichtung aus dem Vorzeichen von Z. Das Vorzeichen von R wird ignoriert.
Fasenfräszyklen
G71.1 (im Uhrzeigersinn) und G72.1 (gegen den Uhrzeigersinn) fasen eine Bohrung mit einem Fasenfräser auf einer Kreisbahn. P legt die Überlappungslänge des Bogens fest, D einen Abstand vom R-Punkt. Q muss angegeben und ungleich 0 sein, sonst erscheint Alarm 861.
Lochbilder
Die Lochbildzyklen G34.1, G35, G36 und G37.1 verteilen einen zuvor programmierten Festzyklus auf mehrere Positionen. Der Zyklus wird zuerst ohne Bohrposition geschrieben, die Steuerung speichert ihn nur. Der Lochbildsatz fährt danach jede Position im Eilgang an und führt den gespeicherten Zyklus aus. Die Lochbilddaten werden nach dem Satz gelöscht. Ohne aktiven Zyklus positioniert der Lochbildsatz nur.
| Code | Lochbild | Format | Argumente |
|---|---|---|---|
| G34.1 | Bohrungen auf einem Kreis | G34.1 X Y I J K | X, Y Mittelpunkt; I Radius; J Winkel der ersten Bohrung; K Anzahl Bohrungen, Vorzeichen gibt die Richtung (+ Gegenuhrzeigersinn, − Uhrzeigersinn) |
| G35 | Bohrungen auf einer Linie | G35 X Y I J K | X, Y Startpunkt; I Abstand; J Winkel der Linie; K Anzahl Bohrungen inklusive Startpunkt |
| G36 | Bohrungen auf einem Bogen | G36 X Y I J P K | X, Y Mittelpunkt; I Radius; J Winkel der ersten Bohrung; P Winkelschritt, Vorzeichen gibt die Richtung; K Anzahl Bohrungen |
| G37.1 | Bohrungen auf einem Raster | G37.1 X Y I P J K | X, Y Startpunkt; I Abstand in X; P Bohrungen in X; J Abstand in Y; K Bohrungen in Y |
Nach dem Lochbild steht das Werkzeug über der letzten Bohrung. Die nächste Bewegung lässt sich daher einfacher absolut programmieren. Bei G35 und G37.1 löst ein fehlendes K (oder P bei G37.1) oder der Wert 0 Alarm 809 oder 807 aus.
G90 G54 G00 X0 Y0
G43 H3 Z50.
S2200 M03
G98 G81 R2. Z-4. F180 (nur gespeichert, keine Bohrposition)
G34.1 X0 Y0 I45. J15. K6 (6 Bohrungen auf Ø90, erste bei 15°)
G80
G00 X120. Y0Drehzyklen auf Integrex-Maschinen
Integrex-Multitaskingmaschinen bringen zusätzlich Drehzyklen mit. Die Codes unten gelten für die G-Code-Serie M. In Serie T verwenden dieselben Zyklen die Nummern in Klammern, siehe G-Codes.
Einfache Drehzyklen
| Code | Zyklus | Format |
|---|---|---|
| G290 (G90) | Längsdrehen | G290 X Z [R] F |
| G292 (G92) | Gewindeschneiden | G292 X Z [R] F oder E |
| G294 (G94) | Plandrehen | G294 X Z [R] F |
R definiert einen Kegel.
Mehrfachzyklen
| Code | Zyklus | Format |
|---|---|---|
| G271 (G71) | Längsschruppen | G271 U(Zustellung) R(Abhebebetrag) / G271 A P Q U W F S T |
| G272 (G72) | Planschruppen | G272 W(Zustellung) R(Abhebebetrag) / G272 A P Q U W F S T |
| G273 (G73) | Konturparalleles Schruppen | G273 U(i) W(k) R(Schnitte) / G273 P Q U W F S T |
| G270 (G70) | Schlichten | G270 A P Q |
| G274 (G74) | Längs-Einstechen (Stirnseite, mit Spanbrechen) | G274 R(Rückzug) / G274 X Z P Q R F S |
| G275 (G75) | Plan-Einstechen (mit Spanbrechen) | G275 R(Rückzug) / G275 X Z P Q R F S T |
| G276 (G76) | Mehrfach-Gewindezyklus | G276 P(mmrraa) R(Aufmass) / G276 X Z R P Q F |
Bei G271, G272 und G270 sind P und Q die erste und letzte Satznummer der Schlichtkontur. A ist eine Mazak-Ergänzung: Die Adresse nennt ein separates Programm, das die Kontur enthält. Ohne A liest die Steuerung die Kontur aus dem laufenden Programm. Die Schruppschnitte verwenden die Werte F, S und T im oder vor dem Zyklussatz. F und S innerhalb der Kontur gelten nur beim Schlichten mit G270.
Der erste G271-Satz (Zustellung und Abhebebetrag) kann entfallen. Die Steuerung nimmt dann beide Werte aus den Parametern SU103 und SU102. Beide Sätze verwenden Adresse U: Stehen P und Q im selben Satz, ist U das Schlichtaufmass in X, sonst die Zustelltiefe.
G273 eignet sich für Guss- oder Schmiederohteile. U und W legen Abhebebetrag und Richtung in X (Radius) und Z fest, R die Anzahl Schruppschnitte.
Bei G276 enthält der sechsstellige P-Wert drei Einstellungen: mm Schlichtschnitte (01 bis 99), rr Gewindeauslauf in Zehnteln der Steigung (00 bis 99) und aa Flankenwinkel (80, 60, 55, 30, 29 oder 0). P021260 bedeutet zwei Schlichtschnitte, einen Auslauf von 1,2 × Steigung und ein 60°-Gewinde. Im zweiten Satz ist R die Radiusdifferenz für Kegelgewinde (0 für zylindrische Gewinde), P die Gewindetiefe (Radius), Q die erste Zustelltiefe (Radius) und F die Steigung.
Bohren mit angetriebenem Werkzeug an Stirnseite und Umfang
| Code | Zyklus | Achse |
|---|---|---|
| G283 (G83) | Bohren stirnseitig, mit Q als Tieflochbohren | Z |
| G284 (G84) | Gewindebohren stirnseitig | Z |
| G284.2 (G84.2) | Synchrones Gewindebohren stirnseitig | Z |
| G285 (G85) | Ausdrehen stirnseitig | Z |
| G287 (G87) | Bohren am Umfang, mit Q als Tieflochbohren | X |
| G288 (G88) | Gewindebohren am Umfang | X |
| G288.2 (G88.2) | Synchrones Gewindebohren am Umfang | X |
| G289 (G89) | Ausdrehen am Umfang | X |
Format der stirnseitigen Zyklen: G283 X C Z R Q P F K M. Bei den Umfangszyklen tauschen X und Z ihre Rollen. M enthält den Klemmbefehl für die C-Achse: Die Steuerung klemmt die C-Achse vor dem Bohren und gibt danach den folgenden Code (M + 1) zum Lösen aus.